Andreas Izquierdo – Apocalypsia Donnerstag, Jun 9 2011 

Andreas Izquierdos Endzeitroman Apocalypsia spielt in zwei parallelen Welten – im Israel unserer Zeit und in der Welt Gottes und der Engel. In letzterer ist ein heftiger Kampf entbrannt – um die Nachfolge des sterbenden Gottes. Die Erzengel und ihre Anhänger auf der einen, Luzifer und sein Gefolge auf der anderen Seite. Doch was hat unsere Welt damit zu tun? Wir lernen Esther und Judith kennen, zwei Frauen wie sie scheinbar nicht unterschiedlicher sein können. Judith soeben nach einem Suizidversuch, den sie wundersamer Weise völlig unverletzt überlebt hat, in der Klinik gelandet, Esther ihre misanthropische Ärztin. Doch die beiden Frauen haben mehr gemeinsam als wir zunächst annehmen. Während dessen wird in der Welt der Engel ein Nathanael geboren – ein junger Engel dem das Schicksal eine wichtige Rolle zugesehen hat. Doch dieser Engel weist ein körperliches Leiden auf – eine Unmöglichkeit in der Welt der Engel. Kann Nathanael die hohen Erwartungen, die an ihn gestellt werden je erfüllen? Je weiter der Kampf in der Engelwelt voranschreitet, umso mehr nimmt die Apokalypse in unserer Welt Gestalt an, Katastrophen, Erdbeben, Krankheiten – und die Menschen haben keine Chance dem zu entfliehen. Und letztlich fällt die Entscheidung in der alles entscheidenden Schlacht der Engel.

 
Apocalypsia unterscheidet sich von anderen Endzeitromanen, die ich gelesen habe, durch seine zunächst klaren Strukturen und die gute Trennung der Engel- und Menschenwelt. Diese Trennung verschwimmt später zunehmend und auch die Struktur und Ordnung im Geschriebenen lässt nach. Dies passt jedoch sehr gut zu dem zunehmenden Chaos und der Zerstörung in „unserer“ Welt, welches einhergeht mit dem immer stärker werdenden Konflikt der Engel, bis dieser schließlich im Krieg der Engel endet. Mit Judith, Esther, Nathanael, Seth und Iax hat Andreas Izquierdo faszinierende Charaktere erschaffen und diese auch gut ausgearbeitet. Vor allem Nathanaels Kampf mit sich selbst auf seinem Weg zu dem ihm vorgesehenen Schicksal ist mitreißend und lebendig erzählt. Aber auch Seth, der noch eine wichtige Rolle zu spielen haben wird ist ein interessanter Charakter. Positiv finde ich zudem das nicht ganz klassische Ende des Romans, ich bin im Lesen immer davon ausgegangen, dass am Ende alles wieder auf eine Happy-End Lösung á la „Gut und Böse ist streng definiert“ herauslaufen wird, doch da bin ich positiv überrascht worden. Vom Inhalt her gefällt mir das Ende nicht so gut, das liegt aber nicht am Buch an sich, sondern eher daran, dass es ein unbequemes Ende ist und ich eine bequeme Leserin bin. Gegen Ende wurde mir das Buch dann stellenweise durch das zunehmende Chaos etwas anstrengend zu lesen, doch wie bereits gesagt passt dies hervorragend zur fortschreitenden Geschichte, weshalb ich auch dies bereit bin zu verzeihen.
 
Insgesamt würde ich sagen ist Andreas Izquierdo mit Apocalypsia ein guter Roman gelungen, der sich positiv von anderen seiner Gattung abhebt, dies vor allem durch gut ausgestaltete Charaktere und einige unerwartete Wendungen in der Geschichte.
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Andrea Israel, Nancy Garfunkel – Johannisbeersommer Donnerstag, Jul 15 2010 

„Johannisbeersommer“ erzählt die Geschichte von Valerie und Lilly, einst beste Freundinnen, die sich dann zerstritten haben, sich nach Jahren wiederfinden und noch einen langen Weg gehen müssen, um alte Wunden zu heilen und den Zwist vergangener Zeiten zu begraben. Der Roman beginnt in Form eines E-Mail Romans in der heutigen Zeit. Wir erfahren, dass Valeries Mutter gerade gestorben ist, was der Grund ist, warum die beiden wieder Kontakt zueinander finden. Immer wieder wird ein Zwist in der Vergangenheit angesprochen, es kommt auch zu einem erneuten Bruch der beiden mittlerweile erwachsenen Frauen. In einer Rückblende wird dem Leser nun die Vergangenheit von Lilly und Val nahegebracht – die beiden haben sich Briefe geschrieben, wir chronologisch Jahr für Jahr verfolgen. So erfahren wir, wie Lillys und Vals Verhältnis zueinander war, welche Rolle die Eltern der beiden in deren Leben spielen und schließlich auch, warum es zum Bruch zwischen den ehemals besten Freundinnen kommt. Zum Abschluss spielt das Buch wieder in der heutigen Zeit – Lillys Vater stirbt und es kommt zur Auflösung und Begründung warum zwischen Lilly und Val einiges schief gelaufen ist.

 Obwohl ich Brief-/E-Mail Romane an sich gerne lese, habe ich für dieses Buch zwei Anläufe gebraucht. Dies könnte daran liegen, dass mir das Genre des „Frauenroman“ normalerweise eher weniger liegt und gerade in der Anfangsphase von Johannisbeersommer die E-Mails von Val und Lilly einen hohen Kitsch-Faktor aufweisen. Da ich es hasse Bücher ungelesen zur Seite zu legen habe ich mich nun doch noch einmal herangewagt und es tatsächlich zu Ende gebracht. Der E-Mail  und Brief Stil gefällt mir tatsächlich gut, wenngleich dadurch relativ wenig Inhalt auf relativ vielen Seiten untergebracht werden kann. Sehr positiv finde ich die Rezepte, die im Mittelteil immer im Anschluss an Lilly und Vals Briefe gehängt sind, sie machen definitiv Lust zum Nachkochen und –backen. Inhaltlich haut mich das Buch allerdings leider nicht vom Hocker. Ich finde es viel zu vorhersehbar, schon relativ schnell war mir klar, auf welche Auflösung die Story hinauslaufen wird und meiner Meinung nach hätte man den Inhalt etwas kürzer fassen können. Für den europäischen Leser kann auch die typisch amerikanische Überschwänglichkeit etwas anstrengend sein: So viel „Ich liebe dich“ und „Ich hasse dich“ habe ich selten in einem Buch gelesen und ehrlich gesagt erscheinen mir die Briefe im Mittelteil viel zu hochgestochen und künstlich, als dass sie den Anschein erwecken könnten von Teenagern geschrieben zu sein, wie es ja der Fall sein soll.
Insgesamt würde ich sagen, dass Buch eignet sich gut als leichte Sommerlektüre, ein Pluspunkt ist ganz klar der Brief-Roman und die netten Rezepte, einen kleinen Abzug gibt es für den Kitschfaktor und den sehr flachen und vorhersehbaren Inhalt.

Warren Fahy – Biosphere Freitag, Mai 14 2010 

Eine einsame Insel, von menschlichen Einflüssen seit Urzeiten an völlig unbeeinflusst, in Beschlag genommen von der Filmcrew einer schwachen Reality Show. Doch das Idyll ist trügerisch, schnell muss die Crew auf schmerzliche Weise durch den Verlust von elf ihrer Mitglieder erfahren, dass die Lebewesen auf der Insel mitnichten harmlose Tiere und Pflanzen sind, sondern durch ihre ganz eigene Evolution zu Wesen herangewachsen sind, gegen die wir Menschen und alle uns bekannten Tier und Pflanzenarten nicht den Hauch einer Chance haben. Ein Team von Wissenschaftlern, unter ihnen auch eine Überlebende der Filmcrew, die engagierte Botanikerin Nell, macht sich daran, das Geheimnis von „Henders Island“ zu erforschen und stösst dabei immer wieder auf grausame aber auch faszinierende Entdeckungen. Kaum zu glauben, dass in dieser uns so grausam erscheinenden Welt etwas schönes, liebenswertes zu finden sein kann… Und unweigerlich stellt sich nicht nur den beteiligten Wissenschaftlern sondern auch dem Leser die Frage „Was wäre wenn“ – Was wäre, wenn diese Lebewesen es schaffen die Insel zu verlassen und in den Lebensraum der Menschen eindringt? Wäre dies das Ende der uns bekannten Welt?

Warren Fahy greift mir Biosphere das derzeit beliebte Thema der Evolutionsthriller auf, was mich dem Buch zunächst skeptisch gegenüber stehen ließ. Ich wurde jedoch sehr bald eines besseren belehrt. Bis zum Schluss hält Fahy die Spannung, was mit der Insel, den darauf existierenden Lebensformen und den Wissenschaftlern geschehen wird. Immer wieder treten neue Situationen auf, auf die der Leser nicht erwartet. Klar, die unvermeidliche Action, die in einem Thriller nicht fehlen darf kommt nicht zu kurz, allerdings ist Biosphere damit nicht so überfrachtet, wie einige andere Bücher dieses Genre. Leider bleiben die Charaktere überwiegend flach, gerade aus dem Wissenschaftsteam, das damit beauftragt wird, die Insel zu untersuchen und zu überprüfen hätte sicherlich mehr gemacht werden können, so bleibt es bei einer überwiegenden Aneinanderreihung verschiedener Namen und nur gelegentlichen Andeutungen von Tiefe. Inhaltlich finde ich die Geschichte fast ein bisschen weit hergeholt, aber auch das ist typisch für die Evolutionsthriller und wer sagt uns denn, dass eine von den Menschen und der bekannten Welt völlig unabhängige Evolution nicht tatsächlich möglich sein könnte?

Insgesamt halte ich Biosphere für ein durchaus lesenswertes Buch, wenn man etwas abgehobenen Evolutionsgedanken nicht völlig ablehnend gegenübersteht. Eine nette Erzählweise mit einer durchaus interessanten Geschichte, aber leider etwas flachen Charakteren machen Biosphere zu einer netten nebenbei Lektüre.

Markus Zusak – Die Bücherdiebin Donnerstag, Mai 13 2010 

Die Bücherdiebin erzählt von dem kleinen Mädchen Liesel Meminger, die im zweiten Weltkrieg in Molching, einem kleinen Ort in der Nähe von München, bei Pflegeeltern aufwächst und eine besondere Beziehung zu Büchern hat – sie stiehlt sie. Diese Bücher sind es, die in langen Nächten im Luftschutzkeller den Menschen Kraft spenden, die verfeindete Nachbarinnen miteinander versöhnen und eine verzweifelte Frau aus ihrer Lethargie reißen.

Das Besondere an „Die Bücherdiebin“ ist die Erzählperspektive – der Ich-Erzähler des Romans ist der Tod. Er erzählt Liesels Geschichte, teils aus seiner Perspektive, teils aus der Perspektive des Mädchens und betrachtet dabei nicht nur das Mädchen sondern zieht ein berührendes Bild Deutschlands zur Zeit des zweiten Weltkriegs.

Romane, die sich mit diesem düsteren Kapitel der Geschichte befassen gibt es viele, doch ist dieser hier in meinen Augen einzigartig. Schonungslos und treffend und trotzdem auf fast einfühlsame Weise beschreibt Zusak die Empfindungen der Menschen dieser Zeit aber auch das unfassbare Grauen, dass sie miterleben mussten. Der Schreibstil ist kurz und knapp, immer wieder von kurzen Abschnitten unterbrochen, die vom Tod als Erklärungen eingefügt werden. Die Charaktere wachsen dem Leser unheimlich schnell ans Herz, sei es Liesels raue Pflegemutter Rosa, ihr sanfter Ehemann Hans, der versteckte Jude Max oder auch die Frau des Bürgermeisters. Gerade dieser knappe Stil und die schonungslose Wortwahl lassen die Details der Erzählung besonders hervortreten. Zusak spielt dabei gekonnt mit Worten, streut wie nebenbei grausame Fakten aus der Weltkriegszeit ein und schafft es dadurch den Leser immer wieder wachzurütteln und aufzuschrecken. Trotzdem schafft es „Die Bücherdiebin“ mich zwischendurch auch immer wieder zum Schmunzeln zu bringen und die düstere Grundstimmung, die vorherrscht durch heitere Passagen aufzulockern.

Das Buch hat mich sehr berührt, ich kann es nur dringend weiterempfehlen, muss aber die Warnung aussprechen, dass es trotz der vielen auch heiteren Passagen keine leichte Kost ist.

Marc van Allen – Caligo Mittwoch, Apr 7 2010 

Als drittes Buch stellt „Caligo“ den Abschluss der Trilogie um die Historikerin Alexandra Lessing, eine Gruppe von Unsichtbaren („die Anderen“) und ihren Kampf gegen den Ordo Invisibilis dar. Letzterer ist ebenfalls eine Gruppe von Menschen die durch Experimente der US-Armee und anschließende Weitergabe des veränderten Erbguts unsichtbar geworden sind und nun die Weltherrschaft übernehmen wollen. Die „Anderen“ entstammen ursprünglich ebenfalls aus diesem Orden, haben sich aber davon losgesagt und bekämpfen die ehemaligen Mitstreiter nun, teils mit Unterstützung aus den Reihen der sichtbaren Menschen. In den beiden Vorläuferbänden „Invisibilis“ und „Venatum“ schildert van Allen, wie Alexandra Lessing nach und nach in den Kampf um die Weltherrschaft hineingezogen wird, den Orden der Unsichtbaren und die Anderen kennen, sowie einen von ihnen lieben lernt. „Caligo“ stellt nun den Abschluss der Reihe, das spektakuläre Ende des Kampfes dar. Durch eine Falle für ihre Gegner selbst in die Fänge des Ordo Invisibilis geraten werden Alex und ihr ungeborenes Kind ins geheime Hauptquartier des Orden gebracht – wohin der Widerstand ihr folgt. Im nun folgenden Kampf um das Hauptquartier bringt van Allen genug Actionszenen und Special Effects hinein, um manch einem Oscar-prämierten Regisseur Konkurrenz zu machen, hier wäre weniger mehr gewesen.

Ich habe die beiden ersten Bände im Vorfeld von „Caligo“ gelesen, denke jedoch, auch wer nur den dritten Band liest kriegt problemlos alles Wichtige von der Geschichte mit. Van Allen wiederholt die wichtigsten Aspekte mit schöner Regelmäßigkeit, so dann der Leser eigentlich nichts verpassen kann. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, Marc van Allen schafft es Spannung aufzubauen, ohne dabei allzu dramatisierend zu schreiben. Die einfache schnörkellose Sprache trägt mit dazu bei, dass das Buch sich angenehm lesen lässt. Auch inhaltlich ist „Caligo“ durchaus spannend, wenn auch an einigen Stellen sehr geradlinig und vorhersehbar. Wer große Überraschungen oder gar ein völlig unerwartetes Ende sucht, ist vielleicht mit einem anderen Buch besser bedient. Trotzdem ist bei mir beim Lesen keine Langeweile aufgekommen, auch wenn ich erahnen konnte wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird muss ich sagen, dass mich sowohl „Caligo“, als auch „Invisibilis“ und „Venatum“ gefesselt und gepackt haben.

Ich vergebe vier Sterne, der fünfte fehlt, da die Wiederholungen teils etwas langatmig sind und da mir das Ende einfach zu sehr mit Special Effects überladen und zu übertrieben war. Insgesamt aber für Fantasy und Science Fiction Fans auf jeden Fall lesenswert!

Ake Edwardsson – Toter Mann Freitag, Nov 20 2009 

Ake Edwardssons neuer Roman „Toter Mann“ beginnt gewohnt verwirrend. Ein verlassenes Auto auf einer Brücke, ein Kommissar der irgendwie einen seltsamen Eindruck hinterlässt, anonyme Anrufe, ein Mann, der auf dem Weg ist jemanden zu erschießen und die Einblende eines Mädchens, dass im Meer schwimmt. Später kommen noch einige Leichen und ein verschwundener Lokalpolitiker hinzu. Erst nach und nach werden diese Handlungsfäden zusammengeführt und Kommissar Erik Winter fragt sich des Öfteren, ob er es mit einem Puzzle zu tun hat, bei dem alle Teile nur gefunden werden müssen, oder ob es sich doch um ein Mysterium, eine unlösbare Aufgabe handelt.

Diese Frage stelle ich mir während des Lesens auch manchmal. Edwardssons Schreibstil ist wie gewohnt eher kurz und knapp, auch das vermischen verschiedener Handlungsstränge, die nach und nach zusammengeführt werden ist in seinen Romanen nichts Neues. Dieses Mal dauert es jedoch unheimlich lange bis aus dem Mysterium ein Puzzle wird und ich als Leserin die Zusammenhänge zwischen den bis dahin wirren einzelnen Handlungssträngen erblicke. Die komplette Auflösung erfahren wir dann im letzten Kapitel, wobei mir trotzdem einiges in der Handlung unklar geblieben ist. Als sehr negativ in „Toter Mann“ empfand ich diesmal die ewigen Familieneinblenden. In skandinavischen Krimis ja häufig verwendet war es mir doch diesmal etwas zu viel, ständig über die Probleme und Beziehungskisten der einzelnen Polizeibeamten lesen zu müssen. An dieser Stelle hätte etwas mehr Einblick in den eigentlichen Fall gut getan. Gut gefällt mir in Edwardssons Romanen immer die düstere Stimmung, eine Melancholie, die er immer sehr gut aufbauen kann und die dem Buch auch diesmal eine düstere Note verliehen hat.

Fazit: Nicht ganz so gut wie andere Bücher um Kommissar Erik Winter, da es mir diesmal einfach viel zu lange dauert, bis der Autor zum Punkt kommt und man als Leser so langsam einen echten Einstieg in die Geschichte erhält. Leider auch als eher störend empfand ich diesmal die Familiendramen im Hintergrund, sie lenken ein bisschen von der eigentlichen Geschichte ab, wenngleich eine von ihnen noch eine wichtige Rolle im Verlauf der Geschichte spielt. Wie immer gut sind Edwardssons kurzer knapper Schreibstil und die melancholische Stimmung, die sich durch den ganzen Roman zieht. Insgesamt ist es ein nettes Buch, wenn ich auch schon bessere von Edwardsson gelesen habe.

Jamie Freveletti – Lauf Mittwoch, Okt 28 2009 

Jamie Freveletti hat mit „Lauf“ einen Thriller geschaffen, der in atemberaubendem Tempo durch den kolumbianischen Dschungel führt.

Entführt auf dem Weg ins kolumbianische Bogotá zerschellt ein amerikanisches Passagierflugzeug bei der Landung im Dschungel. Die überlebenden Passagiere werden von Guerilleros entführt, um ein Lösegeld zu erpressen – nur Emma Caldridge kann diesem entgehen, da sie beim Absturz vom Wrack weggeschleudert wurde. Nach und nach erfährt der Leser, dass das eigentliche Ziel der Entführer Emma war, weshalb nicht nur die Guerilleros auf sie Jagd machen. Es beginnt ein Katz und Maus Spiel im kolumbianischen Dschungel, dessen Ausgang mehr als einmal fraglich ist.

Zu Beginn macht „Lauf“ auf mich den Eindruck eines gewöhnlichen Thrillers, nach und nach wird der Leser jedoch auf die tatsächlichen Hintergründe der Flugzeugentführung gebracht. Gut gefällt mir hier, dass zunächst immer nur weitere Andeutungen gemacht werden und Emmas Auftrag und Grund für die Jagd nach ihr dem Leser nicht von Anfang an offensichtlich hingeworfen werden. Die ersten zwei Drittel des Buches haben mich daher wirklich gefangen gehalten, Freveletti legt ein unheimliches Tempo vor bei der Beschreibung der Jagd durch den Dschungel. Auch die Sequenzen, in denen das Schicksal der übrigen Überlebenden geschildert wird sind packend, wenn auch bisweilen sehr brutal. Sehr gut gemacht finde ich die Beschreibungen von Emmas Überleben im Dschungel, wie den einfachen Methoden, die sie anwendet um an Wasser zu kommen. Gegen Ende lässt das Buch in meinen Augen jedoch leider ein wenig nach. Durch zu viel Tempo erscheint es mir hier ein wenig unrealistisch, erst recht die Kampfszenen am Schluss. Auch den wahren Grund für die Jagd nach Emma finde ich ein wenig weit hergeholt, möchte jedoch nicht ausschließen, dass etwas derartiges tatsächlich möglich wäre und dann definitiv den Erfinder in den Blickpunkt mächtiger Interessensgruppen rücken könnte. Zudem finde ich etwas schade, dass der Leser im Verlauf des Buches immer wieder mit Hinweisen auf Emmas Auftrag bei Laune gehalten wird, dieser im ganzen jedoch etwas kurz kommt, und die Aufklärung, wer denn nun tatsächlich dahinter steckt leider auch nicht wirklich gegeben ist.

Trotz dieser Schwächen empfand ich „Lauf“ als spannenden Thriller, der zum eben mal nebenbei Lesen sicher gut geeignet ist!

Pauline Gedge – Der Seher des Pharao Mittwoch, Okt 28 2009 

Pauline Gedges „Der Seher des Pharao“ nimmt den Leser mit auf eine Reise in das historische Ägypten um 1400 v.Chr. Der kleine Huy, Sohn einer Bauersfamilie, kann durch die Gunst seines Onkels eine angesehene Tempelschule besuchen, um dort lesen und schreiben zu lernen. Er lernt schnell und ist ein guter und angesehener Schüler. Eines Tages jedoch wird Huy von seinem Rivalen getötet und trifft im Angesicht der Götter eine Entscheidung, die ihn von den Toten zurückbringt und sein Leben von diesem Zeitpunkt an radikal verändert. Huy wird ein Seher, der schließlich selbst die Gunst des Pharaos gewinnen kann. Gedges Schreibstil ist mitreißend, ihre Schilderungen des alten Ägyptens so lebhaft, dass der Leser sich ohne Probleme in die Geschichte hineinversetzen kann und im Trubel der Erzählung versinkt. Auch die Charaktere sind durchweg gut erzählt, sie erwecken Sympathien – wenn auch Huy als kleiner verwöhnter Bengel zunächst keinen guten Eindruck auf die Leser macht. Neben dem guten Schreibstil fesselt auch der Inhalt des Buches. Der Leser fiebert mit, wie sich der kleine verwöhnte Junge in der Klosterschule behaupten wird, leidet mit bei den Veränderungen, die auf Huy einbrechen nachdem er von den Toten zurückgekehrt ist und hofft mit Huy, dass er sich mit seinem neuen Leben anfreunden kann. Etwas schade finde ich, dass der Inhalt des Klappentextes weiter geht, als die Erzählung im Buch – aber vielleicht findet sich hier ja Stoff für ein weiteres Buch? Inwieweit historische Fakten in das Buch eingebracht sind und inwieweit die Darstellung des Ägyptens um 1400 v.Chr. „historisch korrekt“ ist kann ich nicht beurteilen, es macht für mich als Laien alles Sinn. Insgesamt ist dieses Buch empfehlenswert für alle, die gerne historische Romane lesen, für alle Ägyptenfans und für alle, die einfach ein gutes Buch mit einer ansprechenden Handlung und mitreißenden Erzählweise genießen wollen!

Christoph Süß – Ich denke, also bin ich verwirrt Mittwoch, Sep 16 2009 

Christoph Süß, Kabarettist und Philosophie-Abbrecher, will in „Ich denke also bin ich verwirrt“ seine liebsten philosophischen Welterklärungen dem Laien näherbringen. Er führt den Leser dazu auf eine Reise durch die Zeit der Philosophie, von Platon und Sokrates über Descartes hin zu Marx und noch einigen anderen mehr.

Am Schreibstil des Autors lässt sich eines gut erkennen – als Kabarettist ist er sicher nicht schlecht. Das Buch ist sehr locker und humorvoll geschrieben, als Leser schmunzelt man des Öfteren. Leider wirkt dieser Schreibstil manchmal auch ein wenig übertrieben, so dass es fast krampfhaft lustig-sein-wollend erscheint. Im Großen und Ganzen führt die lockere Art von Christoph Süß jedoch dazu, dass sich das Buch trotz des philosophischen Inhaltes leicht lesen lässt. Leider kommt eben jener philosophische Inhalt in meinen Augen etwas zu kurz. Es wird nicht immer ganz klar in welcher Epoche oder bei welchem Denker wir uns nun befinden, oft wird vorgegriffen auf noch kommende Philosophen oder auch ein Rückblick auf Vergangenes geworfen. Dies führt dazu, dass der Leser leicht den Überblick verlieren kann. Auch denke ich, dass das Buch für Laien, die wirklich etwas mehr über Philosophie erfahren wollen eher ungeeignet ist. Mir als Laien sind viele der „Welterklärungen“ zu sehr an der Oberfläche geblieben, übertönt von den lustigen Floskeln des Autors, da hätte ich mir mehr inhaltliche Tiefe gewünscht.

Stellt sich nun die Frage: Ich lese, also bin ich verwirrt? Das nun nicht gerade, aber leider auch nicht viel schlauer als vorher. Für eine nette Nebenbeilektüre zu anspruchsvoll, für ernst zu nehmende Literatur, die dem Laien Philosophie vermitteln will dann aber wieder zu sehr an der Oberfläche. Insgesamt ein nettes Buch, sicher gut geeignet um einen Einstieg in das Thema Philosophie zu finden, ist der Leser jedoch daran interessiert wirklich etwas darüber zu lernen und daraus mitzunehmen sollte er sich vorher darüber bewusst sein, dass hier mehr ein kabarettistisch-lustiger Blick auf das Ganze geworfen wird.

Ralf Isau – Messias Sonntag, Aug 30 2009 

Ralf Isaus frühere Werke und auch die Leseprobe ließen mich bei „Messias“ auf ein spannendes Lesevergnügen hoffen, dass jedoch nicht in die klischeehaften Verschwörungstheorien a la Dan Brown und Co. abzudriften droht. Leider wurde diese Hoffnung nur bedingt erfüllt. Zunächst scheint alles ein typischer Realitäts-Fantasy Mix nach Isau zu sein: Am Karfreitag schwebt ein Mann in einem kleinen irischen Dorf vom Kreuz, er weist die typischen Kreuzigungswunden auf und spricht nur hebräisch – der wiedergekehrte Messias? Der Vatikan schickt seinen Sonderermittler Hester McAteer, welcher von Natur aus ein Skeptiker ist, in sein ehemaliges Heimatdorf um den Vorfall zu untersuchen: Echtes Wunder oder raffinierte Täuschung? Während seiner Ermittlungen wird Hesters Skepsis mehrmals auf die Probe gestellt, denn dieses vermeintliche Wunder zieht weitere Ereignisse nach sich…Ein weiterer Handlungsstrang befasst sich mit einem Fluch, der einst auf einen Mönch gelegt wurde: Um die Tötung eines kleinen Jungen „wieder gut zu machen“ muss dieser 100 Wunder wirken – schafft er es nicht, geht der Fluch über auf seine Nachkommen, bis die 100 Wunder getan sind. Naheliegend, dass dieser Fluch ausgerechnet den Vater von Hester und ihn selbst betrifft…

„Messias“ lässt sich gut und flüssig lesen, Isaus Schreibweise zieht den Leser in seinen Bann, wenngleich sie an einigen Stellen etwas langatmig wirkt. Leider trifft dies nicht nur auf die Schreibweise zu, sondern auch auf die Geschichte an sich. Sie erscheint mir zwar etwas origineller als viele andere Vatikan-Verschwörungsthriller und doch ist es für meinen Geschmack alles etwas zu dick aufgetragen ein. Neben alten Familiengeschichten, die der vatikanische Sonderermittler natürlich in seinem Heimatdorf noch zu lösen hat, erscheint auch die eigentliche Handlung eher platt. Auf mich macht es den Eindruck, als hätte Isau versucht so viele handlungstechnische „special effects“ wie möglich einzubauen und dabei den Sinn für die Feinheiten, die er in früheren Werken einbaute, verloren. Darauf deutet für mich auch der sehr erzwungene Einbau der (mehr oder weniger) aktuellen Diskussion um die Rücknahme der Exkommunikation einiger Bischöfe der Pius-Bruderschaft und deren Gründer Lefebvre hin, die für die Handlung des Buches völlig ohne Bedeutung ist. Die Nebenhandlung, mit der das Buch eingeleitet wird, entspricht deutlich mehr dem, auf was ich gehofft habe, geht aber leider in der unruhigen, viel zu schnellen Handlung um den wiedergekehrten Messias unter.

Insgesamt muss ich leider eingestehen, dass meine Erwartungen an dieses Buch enttäuscht wurden, obwohl (oder gerade weil?) ich frühere Werke von Ralf Isau sehr schätze. Die ganze Handlung wirkt auf mich überkonstruiert und die handelnden Personen bleiben flach und eher uninteressant. Allerdings lässt sich das Buch leicht und flüssig lesen, als nette Nebenbei-Lektüre, ohne allzu viel davon zu erwarten sicher ganz annehmbar.

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